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"Ali aus Kreuzberg"

Eliteschulen des Sports sind Verbundsysteme von Schule, Internat und Verein
Der Leitsatz an der Schule: Weltmeister werden und den Schulabschluss schaffen

Murat, der stolz den Boxernamen „Ali aus Kreuzberg“ trägt, hat in seinem Onkel einen Förderer gewonnen. Selbst begeisterter Boxer, aber ohne das ganz große Talent, hat er seinen Neffen früh mit zum Training genommen. Als Murat den Berliner Meistertitel gewann, war Egon Omsen am Ring. Der Boxtrainer holte Murat im Alter von zehn Jahren an die Schule.

Leidenschaft als Antrieb

Einmal angekommen, heißt es nicht nur für die Boxer: „Wer Meister werden will, muss wie ein Meister trainieren“, wie das Spruchband in der Trainingshalle der Boxer mahnt. Auch für den Leichtathleten Dennis Krüger bedeutet das, acht Trainingseinheiten von jeweils bis zu drei Stunden pro Woche in der Hauptsaison zu absolvieren und 14 wöchentliche Trainingseinheiten in der Aufbauphase im Herbst und Winter. „Von 8 bis 21 Uhr bin ich an den Wochentagen vollauf mit der Schule und Training beschäftigt“, sagt er. Was treibt ihn an? „Leidenschaft.“

Wie er denken viele Jugendliche in der Elite-Sportschule. Was für Außenstehende wie eine knallharte, entbehrungsreiche Jugend aussieht, ist in den Augen der Sportler die Chance, im Sport das Spitzenniveau zu erreichen, ohne auf eine solide Schulausbildung verzichten zu müssen. „Wenn dann noch der Erfolg dazu kommt, ist es okay.“ Was Dennis Krüger so bescheiden umschreibt, ist für den Abiturienten und 800-Meter-Läufer der dritte Platz bei den Deutschen Meisterschaften.

Kein Schulchor, keine Theater AG

Sommerferien? Die richten sich nach den Trainings- und Wettkampfzeiten. Der Sport steht an erster Stelle. Schulleiter Neumes bringt die Prioritäten so auf den Punkt: „Einen Schulchor oder eine Theatergruppe wird es hier nie geben.“ Maria Kurjo, ehemalige Schülerin und bei der Olympiade in London Teilnehmerin im Wasserspringen, blickt zurück: „Wenn alle anderen hitzefrei hatten und sich im Park gesonnt haben, bin ich in die Trainingshalle gegangen. Keine Sonne, kein Grün. Klar vermisst man das, aber meine Entscheidung für die Sportschule war die richtige.“

Nur jeder zweite schafft es bis zum Abschluss

Wer es bis zum Abitur schafft, der hat miterlebt, wie rund die Hälfte seiner Mitschüler auf dem Weg dorthin die Schule verlassen hat oder verlassen musste. „Jeder Zweite geht, weil er die sportlichen Anforderungen nicht erfüllt oder für sich entscheidet, dass die Kombination aus Schule und Leistungssport persönlich nicht das Richtige für ihn ist“, sagt Neumes.

Ein Radsportler, der die Schule nach der 10. Klasse verlassen musste, sagt heute: „Es ist wie nach einem 10.000-Meter-Wettkampf. Erst ist man froh, dass Stress und Druck endlich vorbei sind. Dann blickt man zurück und denkt, ein paar Reserven wären noch drin gewesen. Heute bereue ich, dass ich dort nicht bis zum Abitur durchgehalten habe.“ Er hat danach Sport studiert – und mit Freude die Trainingseinheiten im Studium wieder auf dem Schulgelände absolviert.

Wenn der Traum platzt
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