Anmelden: Deine Vorteile
  • Persönliche Stellensuche
  • Magazin kostenlos bestellen
Jetzt anmelden
 

Westerwelle und der Studienabschluss

Der Deutsche Bundestag in Berlin

ABIQ: Und trotzdem haben Sie einen schnellen und geradlinigen Berufseinstieg gemeistert …
Mein Lebenslauf sieht auf den ersten Blick geradliniger aus, als er tatsächlich ist. Nach dem Abitur wollte ich in Potsdam Jura studieren. Den Studienplatz habe ich auch bekommen. Dann fand ich aber, dass das doch nicht das Richtige für mich ist und habe ein Praktikum beim Stadtmarketing in Braunschweig im Regionalmanagement gemacht. Eigentlich wollte ich danach Wirtschaftsgeografie studieren.

Während der Praktikumssuche hatte ich mich aber auch bei verschiedenen Firmen beworben, unter anderem bei der Nord LB für ein duales Studium in BWL. Von der Nord LB kam dann überraschend eine Zusage. Übrigens habe ich später erfahren, dass es bei der Auswahl nicht nur um die Abinote ging, sondern auch um das Engagement der Auszubildenden. So waren meine Kollegen bei der Feuerwehr, im Sport, in einem Freiwilligendienst oder wie ich eben politisch aktiv.

Immer mehr Unternehmen achten nicht mehr nur auf die Schulnote, sondern  auch darauf, ob man sich ehrenamtlich wichtige Softskills erworben hat, wie zum Beispiel Teamfähigkeit. Als ich dann im Bundestag war, hat sich gleich zu Anfang Westerwelle neben mich gesetzt und gesagt, er freut sich, dass die FDP mit mir den jüngsten Abgeordneten stellt, aber dass man auf Dauer nichts mit mir anfangen kann, wenn ich mein Studium nicht fertig bekomme.

Auch wenn es mir ohnehin selbst wichtig war, war das ein zusätzlicher Ansporn einige Nachtschichten zum Lernen einzulegen. Ich habe die gesamte Sommerpause durchgebüffelt und es so neben meiner Arbeit im Bundestag geschafft mein Studium zu beenden.

ABIQ: Hatten Sie neben Ihren politischen Tätigkeiten noch andere private Interessen?
Natürlich war es mir wichtig auch Zeit mit meiner Freundin und der Familie zu verbringen, sich mit Freunden zu treffen, ins Kino zu gehen oder ein gutes Buch zu lesen. Auch wenn es mit den Aufgaben im Bundestag noch etwas schwieriger geworden ist, nehme ich mir dafür Zeit. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich es nebenbei noch geschafft hätte oder heute schaffe, aktiv in einem Sportverein mitzumachen.

ABIQ: Hat sich der Aufwand gelohnt, haben Sie das Gefühl, viel zu bewirken?
Auf jeden Fall, auch wenn Politik manchmal sehr zäh ist und man einen langen Atem braucht. Die Aussetzung der Wehrpflicht zum Beispiel haben die Jungen Liberalen schon vor 20 Jahren gefordert. Nach zehn Jahren hat die FDP das dann als Forderung übernommen, und nach weiteren zehn Jahren hat es die Bundesregierung umgesetzt.

Manche Sachen schafft man auch mal gar nicht und dann gibt es wieder Dinge vor Ort, bei denen man einiges wiederum sehr schnell erreicht. Und man darf nie vergessen: Egal ob etwas klappt oder nicht, man lernt bei jeder Diskussion dazu, lernt neue Leute kennen und kann über seinen eigenen Tellerrand hinausschauen. Es lohnt sich also!

ABIQ: Was würden Sie Jugendlichen, die sich politisch engagieren wollen, raten?
Ich würde ihnen sagen, es auf jeden Fall zu tun und ihnen vor allem die Angst vor den Parteien nehmen. Man ist mit keiner Partei verheiratet und kann sich das auch einfach mal anschauen. Die Wunschpartei, mit deren Positionen man zu hundert Prozent übereinstimmt, gibt es nicht. Dafür müsste man schon seine eigene Partei gründen, und auch dann funktioniert es nur, solange niemand anderes eintritt. Man muss Kompromisse machen. Aber man kann sich auch für ein bestimmtes Thema, zum Beispiel für Bürgerrechte, einsetzen, ohne alle anderen Positionen zu teilen.

ABIQ: Herr Bernschneider, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Zurück

 
Suche