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Komplizierte Angelegenheit


Ein chinesisches Visum für einen langen Zeitraum zu beantragen, ist ziemlich aufwändig. Dafür muss man nämlich nicht nur bogenweise Daten angeben und unzählige Fragen beantworten wie es auch für die Beantragung der meisten anderen Visa notwendig ist. Für mein Visum musste ich zusätzlich auch ein Einladungsschreiben unserer Organisation, eine Bestätigung unserer Schulen sowie eine Bestätigung der Schulbehörde der Provinz Guangxi einreichen.

Hinzu kommt nun, dass es für uns Freiwillige von vornerein nicht einmal möglich war ein Visum für ein ganzes Jahr zu beantragen. Obwohl ich also bereits wusste, dass ich zwölf Monate in China verbringen möchte, konnte ich mich nur für ein halbjähriges Visum bewerben - einfach aus dem Grund, dass es in China kein spezielles Visum für Freiwilligenarbeit gibt.

Ausreise zur Visa-Verlängerung

Bunte Straßenumzüge gehören zur chinesischen Kultur dazu.
Straßenumzug in China

Nach Ablauf der 180 Tage brachen meine Mitfreiwilligen und ich also auf, aus China auszureisen. Einige meiner Mitfreiwilligen reisten nach Laos, andere nach Thailand und Vietnam, Ich selbst flog mit vier weiteren Mitfreiwilligen auf die Philippinen!

An unserem zweiten Tag in der Hauptstadt Manila fuhren wir also gemeinsam zur chinesischen Botschaft, um ein neues Visum für weitere 180 Tage zu beantragen. Wir reichten an unterschiedlichen Schaltern identische Unterlagen ein und hofften, dass alles gut laufen wurde. Schon im Voraus wurden wir nämlich von unserer Organisation gewarnt, dass chinesische Visa oft eine schwierige und willkürliche Angelegenheit sind.

Und so kam es dann, dass meine drei Mitfreiwilligen tatsächlich ein Visum für weitere 180 Tage erhielten, während mir gerade einmal 30 Tage in China gewährt wurden. Meine beiden Mitfreiwilligen, die für ihren Visa-run nach Thailand geflogen waren, erging es ähnlich. Immerhin wurden ihnen 90 Tage gewährt anstatt der 180, die sie beantragt hatten.
Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie unglaublich genervt, sauer, frustriert und traurig ich war. Noch einmal aus China auszureisen war natürlich eine Chance ein weiteres Land kennenzulernen. Doch in erster Linie bedeutete das für mich, dass ich für zwei weitere Wochen meiner Schule und damit den chinesischen Schülern, die mir so sehr ans Herz gewachsen waren, fern bleiben würde. Was mich so sauer machte war, dass mir kein Grund genannt wurde, weshalb mir nur weitere 30 Tage in China gewährt wurden, hatte ich doch dieselben Daten angegeben wie meine Mitfreiwilligen und identische Unterlagen eingereicht.

Frustierendes Erlebnis

Die Schulbildung vieler Kinder auf dem Dorf ist schlechter ist als die der Kinder, die in den großen Städten aufwachsen.
Kinder auf chinesischen Dörfern haben Bildungsdefizite

Nach dieser Erfahrung war ich wirklich niedergeschlagen und hatte anfangs ziemliche Schwierigkeiten diese Stimmung nicht auf ganz China zu übertragen. Oft genug habe ich daran gedacht, wie ungerecht es in diesem Land zugeht - nicht nur auf Visa Angelegenheiten bezogen.

Ich hatte es satt, dass die Schulbildung vieler Kinder auf dem Dorf so unglaublich viel schlechter ist als die der Kinder, die in den großen Städten aufwachsen. Ich hatte genug davon, dass Leute ständig Bilder von mir knipsen, ohne mich zu fragen oder überhaupt nur einen Versuch zu unternehmen, mich auch als Person kennen zu lernen. Ich war genervt vom absoluten! politischen Desinteresse der meisten Chinesen, war angewidert davon, wie rückständig viele Chinesen in Themen wie Tierschutz und Umwelt sind.

Nach diesem Ereignis wollte ich ehrlich nur noch zurück nach Deutschland.

Nach 30 weiteren Tagen in China, in denen sich meine Stimmung zum Glück wieder deutlich verbesserte, weil mir das Unterrichten und das Zusammensein mit meinen Schülern so viel Spaß machte, wollte ich nun meinen zweiten Versuch wagen und erneut ein Visum beantragen.

Ich sehnte mich noch immer nach ein wenig Abstand von der chinesischen Kultur, kratze meine gesamten Ersparnisse zusammen und flog kurzerhand nach Australien, um dort meine Gastfamilie zu besuchen, die mich bereits während der elften Klasse für drei Monate aufgenommen hatte!

In Australien verbrachte ich nicht nur zwei wunderbare Wochen, sondern war auch in Sache Visum erfolgreich. Schließlich flog ich mit bester Laune und neuer Motivation zurück nach China.

 
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