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Gutes tun in Bethlehem

Malte Gölz hat seinen Freiwilligendienst im Bethlehem absolviert.
Malte Gölz hat seinen Freiwilligendienst in Bethlehem absolviert.

Freiwilligendienst im Ausland
Malte Gölz hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. „Nach dem Abitur wollte ich erst einmal reisen“, erzählt der 21-Jährige. Das Problem: Auch der Wehr- oder Zivildienst muss irgendwann erledigt werden. Heute ist er knapp 3.000 Kilometer von zuhause entfernt. Seit einigen Monaten betreut er in Bethlehem Behinderte. „Ich mache einen einjährigen Freiwilligendienst im Ausland, das wird als Ersatz für die Bundeswehr angerechnet“, erklärt er.

Die Einrichtung, für die er tätig ist, entspricht in etwa der deutschen Lebenshilfe. Menschen mit Handicaps aller Art leben und arbeiten dort. Malte ist für den Wohnbereich zuständig: „Ich kümmere mich um sechs Schwerstbehinderte.“ Die meisten von ihnen können kaum sprechen – nur einer von ihnen ist in der Lage, bis zehn zu zählen. „Das kann er aber nicht nur auf Hebräisch, sondern auch auf Arabisch, Englisch und sogar Deutsch“, erzählt Malte.

Die Arbeit mit Behinderten ist ihm bereits vertraut: „In Deutschland habe ich ein Praktikum in diesem Bereich gemacht.“ Sich sozial zu engagieren macht ihm Spaß. Auch mit dem Schichtdienst kommt er gut zurecht. Zwar wird er regelmäßig auch nachts eingeteilt, „das ist aber kein Problem, meistens komme ich viel zum Schlafen.“

Fast alle Männer tragen Waffen
In Israel dagegen sind die Verhältnisse nicht ganz so friedlich. „Die Polizeipräsenz ist hoch“, sagt Malte. Außerdem tragen fast alle Männer ab Anfang 20 auf der Straße eine Waffe. Mehr bekommt er vom Nahostkonflikt jedoch nicht zu spüren. Was er im Alltag erlebt, ist bei weitem nicht so drastisch, wie er erwartet hat: „Ich dachte, hier kriegt man ziemlich viel davon mit, das ist aber nicht so. Eigentlich erfährt man nur etwas darüber, wenn man Zeitung liest.“

Jede Menge erfahren hat er dagegen inzwischen über die Lebensart der Israelis. „Eigentlich sind die kulturellen Unterschiede zu Deutschland gar nicht so groß“, findet er. Beobachtet hat er außerdem, dass für die Lebensgewohnheiten bei den Israelis oft auch das Land ihrer ursprünglichen Herkunft eine Rolle spielt: „Das sieht man auch beim Essen und Trinken. Je nachdem, wo die Familie herkommt, gibt es zum Beispiel entweder Kaffee oder süßen Tee.“ Einig sind sie sich nur in einem: „Sie essen zu allem Humus.“

Vom Nahostkonflikt hat Malte nur wenig mitbekommen.
Freiwilliger Dienst im Ausland / Auslandsaufenthalt

Begegnung mit einer KZ-Überlebenden
Praktisch findet er auch, dass seine Unterkunft ganz in der Nähe der Einrichtung ist. Einziger Nachteil: „Zur Innenstadt ist es sehr weit.“ Deshalb hat er nur wenig Gelegenheit, abends auszugehen und einheimische Jugendliche kennenzulernen. Mit Älteren kommt er dagegen leicht in Kontakt: „Da wird man auch schnell mal zum Essen eingeladen.“

Allerdings sind diese Begegnungen nicht immer einfach – vor kurzem hat er eine Frau getroffen, die das KZ überlebt hat. „Ihr wird heute noch mulmig, wenn sie Deutsche sieht, und das hat sie mir auch gesagt“, berichtet Malte. Insgesamt stoße er jedoch kaum auf Vorbehalte, ganz im Gegenteil: „Einmal hat zu mir sogar jemand gesagt, du kommst aus dem Friedensland.“

Althebräisch hat Malte schon in der Schule gelernt.
Althebräisch hat Malte schon in der Schule gelernt.

Einkaufen auf Hebräisch
Einen kleinen Vorteil hat Malte, was das Lernen der Landessprache angeht – Althebräisch hatte er nämlich schon in der Schule. „Mit den anderen Volos in der Arbeit spreche ich aber Englisch“, sagt er. Auch die Israelis, mit denen er zu tun hat, wollten anfangs auf Englisch mit ihm kommunizieren: „Man muss den Leuten meistens erst sagen, dass sie hebräisch mit einem reden sollen. Dann tun sie es aber.“ Inzwischen konnte er seine Sprachkenntnisse deutlich verbessern. Dies gilt auch für die anderen Mitarbeiter des Freiwilligendienstes, die vorher keinen Hebräischunterricht hatten, „zum Einkaufen reicht es inzwischen bei allen.“

Gefunden hat er seine Stelle übrigens über die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD). Die Organisation vermittelt neben sozialen Tätigkeiten auch andere Arbeiten, die im Freiwilligendienst möglich sind.

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