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Samstagsarbeit und 16 Tage Urlaub im Jahr

Mutiger als die meisten ihrer männlichen Altersgenossen: Für eine Ausbildung in Hongkong begeistert sich vor allem der weibliche Nachwuchs.
Die Arbeitszeiten sind im Ausland oft länger als in Deutschland.

Und die Kollegen im Büro? „Sind sehr nett“, versichert Nathalie. „Sie nehmen mich regelmäßig mit zum Lunch, manchmal treffen wir uns abends zu Drinks.“ Sie ist die einzige Deutsche, alle Kollegen sind Einheimische. Aber so richtig nah komme man sich nicht. Manchmal ärgere sie sich auch ein bisschen, räumt sie ein. Denn häufig würden die Kollegen beispielsweise Kantonesisch reden, auch wenn sie, die die Sprache nicht beherrscht, dabei sei.

Dabei werden Chinesisch- oder Kantonesischkenntnisse für das Programm nicht erwartet, lediglich gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung für einen der rund 30 Ausbildungsplätze bei Firmen in der Stadt. Ansonsten entsprechen die Anforderungen jenen in Deutschland: ein qualifizierender Schulabschluss, zusätzlich zu den deutschen werden eine Reihe internationaler Abschlüsse anerkannt.

Verkürzte Ausbildungsdauer

In einigen Punkten unterscheidet sich das Hongkonger Modell von der Ausbildung in Deutschland: So ist es nach 22 Monaten abgeschlossen und damit ein Jahr kürzer als die typische Ausbildung in Deutschland. Der Stoff werde aber komplett abgedeckt, versichert Stefan Pauli, Leiter des Business College. Zusätzlich müssen die Azubis einen Grundkurs in Hochchinesisch belegen, hinzu kommt chinesische Landeskunde. Zudem werden in anderen Fächern regionale Besonderheiten berücksichtigt: Beispielsweise würden die Azubis sowohl deutsche Gesetze kennenlernen als auch die in Hongkong und China, erläutert Pauli.

Auch die Arbeitszeiten sind anders: In Hongkong ist für zahlreiche Betriebe der Samstagvormittag ein gewöhnlicher Arbeitstag, das gilt auch für Azubis. Die Ferien fallen für Nathalie auch deutlich kürzer aus, 16 Tage hat sie pro Jahr. Und da das Business College eine private Schule ist, fallen Schulgebühren an, derzeit 37.100 Hongkong-Dollar (rund 3440 Euro) pro Jahr. Ein Teil der Ausbildungsvergütung ist damit bereits verbraucht, hinzu kommen extrem hohe Mietpreise.

Nathalie wohnt mit einer Mitschülerin in einer Wohnung in Causeway Bay, einem der zentralen Einkaufs- und Geschäftsbezirke der Stadt. Ohne finanzielle Unterstützung von zu Hause ginge das nicht, sagt sie, gut 500 Euro zusätzlich brauche man im Monat. „Man lernt natürlich Tricks“, sagt Daniela. „Wo gibt‘s das günstigste gebratene Hühnchen, welche Supermärkte bieten gerade Sonderangebote?“

Wie geht‘s nach der Ausbildung weiter? Im Schnitt bleibe ein Drittel der Azubis im Ausbildungsbetrieb, aber nicht unbedingt in Hongkong, sagt Schulleiter Pauli. Ein weiteres Drittel wechsle den Betrieb, häufig um in der Stadt bleiben zu können, das restliche Drittel schließe ein Studium an. Nathalie hat sich noch nicht entschieden. „Alles offen“, sagt sie und lacht.

(Stand: 19.08.2014)

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