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Alltag der Lehrlinge im Tiergarten Nürnberg

Die Nähe zu den Tieren ist wichtig im Beruf des Tierpflegers.
Zebras bekommen Futter durch den Tierpfleger im Zoo

Der Alltag der Lehrlinge damals unterschied sich darüber hinaus kaum von der Arbeit der anderen Pfleger. Sie alle waren an sechs Tagen in der Woche im Einsatz. Der freie Tag verschob sich Woche für Woche. Bereits ab dem zweiten Lehrjahr übernahmen die Auszubildenden vertretungsweise die Verantwortung für ein Revier. Das Füttern der Tiere, das Reinigen der Anlagen und selbst das Beschaffen des Futters erfolgten mit einfachsten Mitteln. „Aufgrund der Futterknappheit 1949/50“, erzählt Ludwig Löb, „wurden wir Lehrlinge in den Wald geschickt, um säckeweise Heidekraut für die Elefanten zu schneiden oder Flechten für die Rentiere zusammenzurechen. Am Abend holte uns dann der große Laster ab.“ Außerdem gehörte das Mähen der für den Tiergarten bereitgestellten großen Wiesenflächen, die alten Nürnbergern als „Russenwiese“ bekannt sein dürfte, zu den Aufgaben der Auszubildenden.

Gab es zu den frühen Zeiten von Ludwig Löb so gut wie keine Frauen in der Tierpflege, übernehmen in den letzten Jahren zusehends Tierpflegerinnen auch leitende Funktionen. Von den neun Revieren im Tiergarten Nürnberg werden drei von Revierleiterinnen organisiert. Harriet Wolter ist eine von ihnen. Die Vierzigjährige stammt aus der Eifel und kam nach Zwischenstationen in verschiedenen Wildparks vor zehn Jahren in den Tiergarten Nürnberg. Dort organisiert sie seit 2002 das Revier 5, den Kinderzoo. Zu ihren Aufgaben gehören das Aufstellen des Dienstplans für das Revier, die Koordination der Arbeit der Kollegen, Absprachen mit anderen Abteilungen wie den Tierärzten, Gärtnern oder Handwerkern.

Wolter hat die dreijährige Ausbildung zur Tierpflegerin im Wildpark Lüneburger Heide gemacht. „Ein Faible für Tiere hatte ich schon immer.“ Ihr Onkel war Tierarzt und nahm sie auch mal zu „weniger romantischen Einsätzen“ wie dem Einschläfern schwacher Tiere mit. Als begeisterte Vogelbeobachterin hat die Pflegerin schon als Schülerin in einem Wildpark Greifvögel betreut und sich an einer Wiedereinbürgerungsaktion für den Uhu beteiligt. Nach dem Abitur jobbte sie sechs Monate in einer Greifvogelstation in Kanada, begann ein Studium und bewarb sich dann doch für eine Ausbildung zur Tierpflege. Als sie den Ausbildungsplatz in der Tasche hatte, machte sie sich auf vier Monate lang in Australien Nationalparks zu besuchen, um Greifvögel und Schnabeltiere zu beobachten.

„Grundvoraussetzung für den Tierpflegeberuf ist eine Nähe zur Natur und zu Tieren. Gleichzeitig muss man aber auch die eine emotionale Distanz zu den einzelnen Tieren wahren. Es werden immer wieder Tiere abgegeben oder sterben. Da sollte man sein Herz nicht dran hängen“, so Wolter. Der richtige Abstand zum Tier ist auch notwendig, um Futtertiere für die Zootiere töten zu können. „Ganz wichtig“ findet die erfahrene Pflegerin, „ist es für einen Tierpfleger auch, dass er praktisch veranlagt ist und zuverlässig und sorgfältig arbeitet. Man sollte immer dran denken: ein offengelassener Schieber im Löwenkäfig kann das Leben kosten.“ Auch wenn es nicht gleich ans Leben geht, Unfälle sind in der Tierpflege keine Seltenheit. Harriet Wolter hatte bislang Glück. Lediglich eine kleine Narbe über dem Auge deutet auf einen gefährlichen Zwischenfall hin. Ludwig Löb erwischte es heftiger: ein Affe durchbiss seine Achillesferse. Die Verletzung führte dazu, dass der Pfleger nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt monatelang nur mit Krücken gehen konnte.

Der Beruf des Tierpflegers hat sich weiterentwickelt

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