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Vom Au pair-Job zur Blitzkarriere

Als Teamleiterin muss Sandra Husse den Überblick behalten.

Acht Semester studieren, danach ein Trainee-Programm, noch eine Assistenzstelle und weitere drei bis vier Jahre Berufserfahrung – wer eine Führungsposition anstrebt, braucht normaler Weise Geduld und Durchhaltevermögen. Was viele nicht wissen: Im Einzelhandel kann das wesentlich schneller gehen. Bei Unternehmen wie etwa dem Möbelhersteller Ikea werden Abiturienten schon in der Ausbildung auf leitende Funktionen vorbereitet und steigen oft als Führungskräfte in den Beruf ein, wie Sandra, Birger und Nora bei Ikea.

Sandra Husse (25), Birger Hamann (25) und Nora Wimber (23) sind bereits jetzt als Teamleiter für eigene Abteilungen verantwortlich. Schon nach dem Abi wusste Sandra: Die Uni ist für sie nicht das Richtige. „Ich wollte schnell Karriere machen“, erklärt sie. Dennoch habe sie von Anfang an eine Führungsposition angestrebt, „Verantwortung zu übernehmen reizt mich.“ Ihr ursprünglicher Plan: eine Laufbahn bei der Polizei. Allerdings scheiterte sie im Einstellungsverfahren am Sehtest: „Ich hatte ein paar Dioptrien zu viel.“

In Schweden Ikea als Arbeitgeber kennengelernt

Statt neue Pläne zu schmieden, entschloss sie sich erst einmal zu einer Auszeit und ging für ein Jahr als Au Pair nach Schweden. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich gerade dort die Weichen für meine berufliche Zukunft stellen“, räumt sie ein. Ihre Gasteltern arbeiteten nämlich beide bei Ikea. Dadurch habe sie viel über das Unternehmen erfahren: „Ich habe gemerkt, dass ich ein ganz falsches Bild von Tätigkeiten im Handel hatte, da sitzt man nicht nur an der Kasse und räumt Regale ein.“

Gute Aufstiegsmöglichkeiten

Vielmehr steuert Sandra im Einrichtungshaus in Brunnthal bei München nun eine ganze Abteilung. Die Aufstiegschancen als Handelsfachwirt seien ähnlich wie bei der Polizei, man könne sehr schnell in eine Führungsposition kommen: „Das alles habe ich nach dem Abi aber gar nicht gewusst.“ Zwar arbeitet sie nach wie vor an der Basis mit, bringt Waren, die von den Kunden stehen gelassen wurden, an ihren Platz zurück, schaut, ob die Verkaufsfächer voll sind und räumt im Geschäft mit auf. Allerdings betrachtet sie dies eher als persönliche Bereicherung: „Das finde ich zwischendrin ganz entspannend.“ Außerdem erleichtere dies die Kommunikation mit den Mitarbeitern: „Bei der Frühschicht bin ich meistens voll dabei, da hat man echten Austausch.“

Wenn im Verkauf viel zu tun ist, packt Sandra natürlich mit an.

Doppelt so viel kommt zurück

Zu ihren Aufgaben gehört aber auch, das Personal einzuteilen. Das bedeutet: Sie muss einschätzen können, welcher Mitarbeiter für welche Tätigkeit am besten geeignet ist und ihm die jeweiligen Arbeiten übertragen. Wie das am besten funktioniert, hat sie in ihrer Ausbildung als Handelsfachwirtin gelernt: „Wir haben das sogar in Rollenspielen geübt.“ Außerdem gebe es bestimmte Erfahrungswerte. Etwa habe sich gezeigt, dass manche ältere Kollegen meistens nicht so versiert mit dem Computer seien. Wichtig sei jedoch auch, auf die Kollegen einzugehen und ihre persönliche Situa-tion und Tagesform zu berücksichtigen. „Nicht jeder ist immer gut drauf“, weiß Sandra.

"Man federt viel ab gegenüber den Kollegen"

Was sie ihren Mitarbeitern zugesteht, gönnt sie sich selbst allerdings nicht, vor allem, wenn es um berufliche Dinge geht. „Wenn es mir privat mal nicht so gut geht, kann ich das zwar auch als Führungskraft sagen“, räumt sie ein. In stressigen Phasen achte sie jedoch darauf, dies nicht preis zu geben: „Man federt viel ab gegenüber den Kollegen.“ Umgekehrt müsse sie jedoch stets im Blick behalten, ob die Mitarbeiter den Anforderungen gewachsen seien.

Wichtig sei auch, sie immer wieder zu motivieren: „Wenn am Wochenende viel los war, verteile ich am Montag zum Beispiel öfters Süßigkeiten.“ Aufmerksamkeiten wie diese würden gerne angenommen. Die Energie, die sie in ihr Team investiere, bekomme sie „doppelt zurück“, freut sich Sandra.

Ruhige Zeiten für Büroarbeit nutzen

Zuständig ist sie aber auch für Verwaltungsarbeiten. Morgens kontrolliert sie zunächst die Anwesenheitslisten und holt sich ihr Telefon: „Ich muss immer erreichbar sein.“ Sie prüft Rechnungen und Lieferungen, kontrolliert, ob die Preise der Angebote mit den Angaben im Internet übereinstimmen, gibt Daten in den Computer ein und erstellt Urlaubs- und Schichtpläne. Jedoch nutze sie hierfür die ruhigeren Zeiten: „Wenn viel los ist, verstehen die Kollegen nicht, warum ich gerade jetzt oben im Büro bin.“

Kommunikationsfähigkeit wichtiger als Noten

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