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„Das Dirndl gehört einfach zu Bayern!“

Laura steppt einen Bund bei einem Dirndlrock auf.

Ein zweiteiliges Dirndl, brombeerfarben und schwarz, mit einer Schürze aus schillerndem Organza wird Lauras Gesellenstück. Die 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr zur Damenmaßschneiderin und steht kurz vor ihrer praktischen Prüfung. Eigentlich wollte Laura gar nicht unbedingt Dirndl schneidern.

Auf die Idee, eine Ausbildung bei Trachten Uschi Disl in Dietramszell zu beginnen, ist sie durch ihre Mutter gekommen, die dort einen Nähkurs gemacht hat. Mittlerweile, nach drei Jahren Lehrzeit, ist Laura aber begeistert von dem Beruf: „Die Trachtenschneiderei ist viel figurbetonter als der normale Damenschneider, man arbeitet auf die genauen Körpermaße der Kundin hin.“

Basteln Stricken, Häkeln und Nähen hat Laura bereits vor ihrer Ausbildung Spaß gemacht: „Ich bin ein Handarbeitsfan. Bevor ich einfach nur so rumsitze oder lese, fange ich lieber an zu nähen.“ Doch nicht jede Schneiderin im Betrieb arbeitet nur an einem Dirndl, vielmehr müssen Röcke, Rücken und der Spezer – das typische Dirndloberteil – auch einzeln maßgefertigt werden: „Heute in der Früh habe ich sechs Röcke hintereinander fertig genäht“, sagt Laura. Besonders schön an ihrem Beruf findet sie, dass „man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat und dass man was Tragbares gemacht hat – das ist ein Traumberuf.“

12 Dirndl hat Laura in fünf Jahren genäht!

Petticoats gehören in die 50er Jahre – aber nicht zum Dirndl!

In der Berufsschule hat Laura Textilkunde und lernt alles über Stoffe: „Vom ersten Jahr an bekommt man eingebläut, wie die Stoffarten heißen und was das Besondere an ihnen ist.“ Fachbegriffe wie Jacquard, ein besonderes Webmuster, und Organza, ein schillerndes Gewebe, sind für die 19-Jährige ganz alltäglich geworden. Außerdem stehen auf dem Stundenplan Gestaltung, Modellzeichnen, Schnittabwandlung und Rockgrundschnitte. Vor kurzem habe sie in Modegeschichte ein Referat über die Mode der 50er Jahre halten müssen, berichtet sie: Cocktailkleider, Pfennigabsätze und Petticoats. Allerdings haben solche Details in der Trachtenmode nichts zu suchen, findet Laura: „Ein Dirndl mit Petticoat oder zu weitem Ausschnitt, das ist nicht schön“, findet Laura. Ein Dirndl sei nur dann wirklich bayerisch, wenn es eine richtige Tracht und maßgeschneidert sei.

Ein guter Schnitt: zwölf Dirndl in fünf Jahren

Richtig gelungen sei ein Dirndl erst, wenn man sich die Stoffe selber aussuchen und seinen eigenen Geschmack zum Ausdruck bringen könne, meint Laura. Dann könne die Tracht auch jeder tragen: „Egal, ob alt oder jung, dünn oder dick, ein Dirndl steht jeder Frau.“ Sie selbst hat sich in drei Jahren Lehrzeit zwölf Dirndl genäht. Welches ihr Lieblingsstück ist? „Ein zweiteiliges Dirndl mit ganz weitschwingendem braunem Rock und ein zartgelbes Oberteil“, schwärmt sie. Vor allem im Verkauf trage sie die Dirndl sehr gerne, „da passt das einfach.“

Privat zieht sich Laura aber ganz normal an – allerdings legt sie auch hier selbst Nadel und Faden an: „Vor kurzem hatten wir einen Kurs von der Schneiderinnung, da habe ich mir einen grauen Sommerblazer genäht!“ Auch wenn sie sich auf bayerische Trachten spezialisiert hat – Laura beherrscht das Handwerkszeug des Schneiders in seiner ganzen Breite. Arbeiten kann sie deshalb nach ihrer Ausbildung auch in anderen Bereichen.

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